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01.07.2026 210

ANTIMUSLIMISCHER RASSISMUS IN DEUTSCHLAND – FURKAN BIN ABDULLAH 

ANTIMUSLIMISCHER RASSISMUS IN DEUTSCHLAND – FURKAN BIN ABDULLAH 

ANTIMUSLIMISCHER RASSISMUS IN DEUTSCHLAND – FURKAN BIN ABDULLAH 

Antimuslimischer Rassismus gehört nach Einschätzung zahlreicher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Menschenrechtsorganisationen sowie staatlich eingesetzter Expertengremien zu den bedeutenden Herausforderungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens in Deutschland. Menschen, die Muslime sind oder als Muslime wahrgenommen werden, berichten regelmäßig von Diskriminierung in den Medien, der Politik, auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt, im Bildungswesen, im öffentlichen Raum sowie von verbalen und körperlichen Angriffen.

Der Begriff „antimuslimischer Rassismus“ ist inzwischen in der wissenschaftlichen Forschung weit verbreitet und beschreibt die rassifizierende Zuschreibung gegenüber Menschen. Betroffen sind häufig Personen unabhängig davon, ob sie tatsächlich religiös sind. Entscheidend ist, dass ihnen aufgrund ihres Aussehens, ihres Namens, ihrer Kleidung oder ihrer vermuteten Herkunft pauschale Eigenschaften zugeschrieben werden.

Eine häufig geäußerte Kritik lautet, der Islam sei keine „Rasse“, weshalb der Begriff „antimuslimischer Rassismus“unzutreffend sei. Diese Kritik greift jedoch aus wissenschaftlicher Sicht zu kurz. Die heutige Rassismusforschung versteht Rassismus nicht ausschließlich als biologische Einteilung von Menschen in „Rassen“. Vielmehr beschreibt Rassismus gesellschaftliche Prozesse, in denen Menschen aufgrund zugeschriebener Merkmale pauschal bewertet, ausgegrenzt oder benachteiligt werden. Anbei für jene, welchen in diesem Kontext den Begriff „Rassismus“ als unpassend betrachten, möchte ich nur hinweisen, dass es nach wissenschaftlichem Verständnis sowieso keine offiziell anerkannten biologischen "Rassen" beim Menschen gibt. Daher liegt dieser Begriff, also des „Rassisten“ nicht am betrachteten, sondern beim Betrachter,

Musliminnen und Muslime, oder Menschen, die als solche wahrgenommen werden, werden häufig unabhängig von ihrer tatsächlichen Religionszugehörigkeit stereotypisiert. Ihnen werden Eigenschaften wie Gewaltbereitschaft, Rückständigkeit, Integrationsunwilligkeit oder Extremismus zugeschrieben. Dadurch entstehen Diskriminierungen, die den Mechanismen anderer Formen von Rassismus ähneln.

Aus diesem Grund verwenden zahlreiche Sozialwissenschaftler sowie Institutionen den Begriff „antimuslimischer Rassismus“, ohne damit zu behaupten, der Islam sei eine biologische Rasse. Gemeint ist vielmehr die rassifizierende Behandlung einer Personengruppe aufgrund zugeschriebener religiöser oder kultureller Merkmale.

Im Juni 2023 veröffentlichte der Unabhängige Expertenkreis Muslimfeindlichkeit seinen umfangreichen Abschlussbericht „Muslimfeindlichkeit – Eine deutsche Bilanz“. Der Expertenkreis war im Rahmen der Deutschen Islam Konferenz eingesetzt worden und untersuchte wissenschaftlich Erscheinungsformen antimuslimischer Diskriminierung in Deutschland.

Der Bericht kommt unter anderem zu folgenden Ergebnissen:

• antimuslimischer Rassismus sei ein gesamtgesellschaftliches Phänomen;

• Diskriminierungen beträfen Alltag, Bildung, Arbeitsmarkt, Wohnungsmarkt und Behörden;

• insbesondere muslimische Frauen mit Kopftuch seien überdurchschnittlich häufig betroffen;

• Vorurteile gegenüber Musliminnen und Muslimen seien in weiten Teilen der Gesellschaft verbreitet.

Der Bericht stützt sich auf zahlreiche wissenschaftliche Studien, Umfragen und statistische Erhebungen und enthält umfangreiche Handlungsempfehlungen für Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft.

Der Bericht wurde später von der Internetseite des Bundesministeriums des Innern entfernt. Hintergrund war jedoch nicht eine inhaltliche Zurückweisung des gesamten Berichts, sondern eine gerichtliche Auseinandersetzung über einzelne Textpassagen, die sich auf bestimmte Publizisten bezogen.

Nach einer Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg entfernte das Ministerium den Bericht zunächst von seiner Webseite und prüfte eine überarbeitete Veröffentlichung. Das BMI erklärte gleichzeitig ausdrücklich, dass der Bericht die unabhängige Position des Expertenkreises widerspiegele und keine amtliche Stellungnahme der Bundesregierung sei.

Die Entfernung führte zu Kritik aus Wissenschaft, muslimischen Verbänden und Teilen der Zivilgesellschaft, die befürchteten, dass dadurch die öffentliche Sichtbarkeit der Forschung zu Muslimfeindlichkeit geschwächt werde. Andere Stimmen betonten hingegen, dass ausschließlich die rechtlich beanstandeten Passagen Anlass für das Vorgehen gewesen seien.

Im wissenschaftlichen Diskurs wird seit Jahren darauf hingewiesen, dass auch die verwendete Sprache erheblichen Einfluss auf die Wahrnehmung muslimischer Menschen hat. Insbesondere Begriffe wie „Extremismus“„Islamismus“ oder „Politischer Islam“ werden kontrovers diskutiert. 

Diese Wirkung entfaltet sich nicht allein in politischen Debatten. Begriffe und Narrative werden über Medien, soziale Netzwerke und öffentliche Diskussionen verbreitet und prägen gesellschaftliche Vorstellungen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sich solche Stereotype auf den Alltag auswirken können. Menschen, die als muslimisch wahrgenommen werden, berichten regelmäßig davon, dass sie mit Generalverdacht, Misstrauen oder pauschalen Zuschreibungen konfrontiert werden.

Vor diesem Hintergrund warnen zahlreiche Forschende davor, unpräzise oder pauschalisierende Begriffe zu verwenden. Sie betonen, dass eine pluralistische Gesellschaft zwischen berechtigter Kritik an Ideologien und der Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer tatsächlichen oder zugeschriebenen Religionszugehörigkeit unterscheiden muss. Nur durch eine präzise Sprache und eine differenzierte öffentliche Debatte kann verhindert werden, dass Vorurteile verfestigt und gesellschaftliche Ausgrenzung weiter verstärkt werden.

Dokumentationsstellen berichten seit Jahren über steigende Zahlen antimuslimischer Vorfälle. Nach ihren Erhebungen reichen diese von Beleidigungen und Bedrohungen über Benachteiligungen im Alltag bis hin zu körperlicher Gewalt. Gleichzeitig weisen die Herausgeber darauf hin, dass von einer erheblichen Dunkelziffer auszugehen ist.

Auch internationale Organisationen wie Human Rights Watch haben Deutschland dazu aufgefordert, antimuslimischen Rassismus systematischer zu erfassen und stärker in der staatlichen Statistik sowie in Präventionsmaßnahmen zu berücksichtigen.

Unabhängig von politischen Bewertungen bleibt die Bekämpfung von Diskriminierung gegenüber Musliminnen und Muslimen sowie gegenüber Menschen, die als Muslime wahrgenommen werden, eine wichtige Aufgabe einer freiheitlichen und pluralistischen Gesellschaft.

 

Furkan bin Abdullah
Sontra den 16. Muharram 1448 - 01. Juli 2026 

 

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