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13.03.2026 9

SUFYĀN ATH-THAWRĪ

- Biografie -

SUFYĀN ATH-THAWRĪ

Name und Herkunft

Sufyān Ibn Saʿīd Ibn Masrūq ath-Thawrī al-Kūfī (arabisch: سفيان الثوري) war einer der größten Gelehrten der frühen islamischen Geschichte. Er wurde 97 n.H. (ca. 716 n. Chr.) in Kufa im Irak geboren und starb 161 n.H. (778 n. Chr.) in Basra.

Er gehört zur Generation der Tābiʿ at-Tābiʿīn, also der Generation nach den Schülern der Gefährten des Propheten ﷺ.

Seine Familie war bekannt für Frömmigkeit und Wissen. Sein Vater Saʿīd ibn Masrūq war selbst ein Hadith-Gelehrter, weshalb Sufyān schon früh Zugang zu Wissen hatte.

 

Bildung und Wissen

Schon in jungen Jahren begann Sufyān ath-Thawrī mit dem Studium der islamischen Wissenschaften. Besonders bekannt wurde er in drei Bereichen:

  • Hadithwissenschaft

  • Fiqh (islamische Rechtslehre)

  • Tafsīr (Koranexegese)

Er lernte von vielen berühmten Gelehrten seiner Zeit, darunter:

  • Jaʿfar as-Sādiq

  • Al-Aʿmash

  • ʿĀṣim ibn Abī an-Najūd

Seine Schüler wurden später ebenfalls große Gelehrte, zum Beispiel:

  • ʿAbdullāh ibn al-Mubārak

  • Yahya ibn Saʿīd al-Qattān

  • Abdurrahman ibn Mahdi

Aufgrund seines enormen Wissens nannten ihn viele Gelehrte:

„Amīr al-Muʾminīn im Hadith“
(„Der Führer der Gläubigen im Hadith“)

 

Charakter und Frömmigkeit

Sufyān ath-Thawrī war besonders bekannt für seine tiefe Frömmigkeit, Askese (Zuhd) und Bescheidenheit. Er lebte ein einfaches Leben und warnte oft vor der Nähe zu Herrschern und Macht.

Er sagte häufig, dass Gelehrte vorsichtig sein müssen, wenn sie mit Politikern oder Herrschern zu tun haben, weil dies ihre Aufrichtigkeit gefährden kann.

Viele Gelehrte beschrieben ihn als:

  • sehr gottesfürchtig

  • äußerst bescheiden

  • sehr vorsichtig im Geben von Fatwas

  • streng gegenüber sich selbst

Der große Gelehrte ʿAbdullāh ibn al-Mubārak sagte über ihn:

„Ich habe niemanden gesehen, der mehr Wissen hatte als Sufyān ath-Thawrī.“

 

Seine Werke

Sufyān ath-Thawrī verfasste mehrere Werke in verschiedenen islamischen Wissenschaften. Einige seiner bekannten Bücher sind:

1. Al-Dschāmiʿ as-Saghīr
Eine Sammlung von Hadithen und Überlieferungen.

2. Kitāb al-Farāʾiḍ
Ein Werk über die islamischen Erbregeln.

3. Kitāb Ādāb Sufyān ath-Thawrī
Ein Werk über Moral, Verhalten und spirituelle Disziplin.

Auch wenn nicht alle seine Werke vollständig erhalten sind, wurden viele seiner Aussagen und Meinungen in späteren Hadith- und Fiqh-Büchern überliefert.

 

Eine berühmte Anekdote

Eine bekannte Geschichte über Sufyān ath-Thawrī zeigt seine Vorsicht gegenüber Macht und Ruhm.

Der Abbassidische Kalif al-Mahdi wollte ihn einmal zu sich bringen, um ihn als Gelehrten am Hof zu haben. Viele Menschen betrachteten dies als große Ehre.

Doch Sufyān ath-Thawrī hatte Angst, dass die Nähe zur Macht seine Aufrichtigkeit beeinflussen könnte. Deshalb verließ er Kufa und lebte zeitweise versteckt, um nicht gezwungen zu werden, für den Kalifen zu arbeiten.

Er sagte sinngemäß:

„Wenn ein Gelehrter die Tür der Herrscher betritt, hat er seine Religion in Gefahr gebracht.“

Diese Geschichte wird oft erzählt, um zu zeigen, wie sehr er Unabhängigkeit, Aufrichtigkeit und Gottesfurchtschätzte.

 

Sein Tod

Sufyān ath-Thawrī starb 161 n.H. (778 n. Chr.) in Basra. Viele große Gelehrte seiner Zeit trauerten um ihn, da er als einer der größten Hadith- und Fiqh-Gelehrten seiner Generation galt.

Sein Einfluss blieb jedoch stark, weil viele seiner Schüler sein Wissen weitergaben.

 

„Ich habe nichts Schwereres behandelt als meine Absicht, denn sie verändert sich ständig.“ (Sufyān ath-Thawrī)

„Wenn das Herz verdorben ist, kann keine Tat wirklich gut sein.“ (Sufyān ath-Thawrī)

„Das Diesseits ist eine kurze Reise, also bereite dich für die lange Reise des Jenseits vor.“ (Sufyān ath-Thawrī)

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